Umbau Geschäftshaus, Spitalcampus Frauenfeld
2024–2027, Direktauftrag · weitere Infos

Umbau Geschäftshaus Spitalcampus Frauenfeld, Thurgau

in Zusammenarbeit mit Riedl Architekten GmbH, 2024–2027

Nettogeschossfläche (NGF): XYZ m2

Bauleitung: rsp Bauleitung AG, Frauenfeld; Bauingenieur: Schnetzer Puskas Ingenieure AG; Haustechnik: Novus Engineering GmbH, Frauenfeld; Bauphysik: Hermann Partner AG, Andelfingen; Gebäudesimulation: Gartenmann Engineering AG; Elektroplanung: IBG Engineering AG; Gebäudeautomation: IBG Engineering AG; Brandschutz: ProteQ GmbH, Schaffhausen; Workplace: IFM Institut für Facility Management (ZHAW), Wädenswil

Rückbau: Karl Geiges AG, Warth; Sanierung Altlasten: A. Müller AG Bauunternehmung, Freidorf; Baugrundverbesserungen: Tschanen Bauunternehmung AG, Müllheim; Baumeister: Herzog Ernst AG, Frauenfeld; Fenster Holz-Metall: Blumer Fensterwerke AG, Waldstatt; Aussentüren/Tore aus Metall: Friess AG Metallbau, Münchwilen; Bedachungsarbeiten: SC Haller AG, Frauenfeld; Sonnenschutz: Storama AG, Burgistein; Elektroinstallationen: Ellenbroek Hugentobler AG, Frauenfeld; Gebäudeautomation: Sauter Building Control Schweiz AG; Heizungsanlagen: Die Klimamacher AG, Arbon; Lüftungsanlage: Die Klimamacher AG, Arbon; Sanitär: Preisig AG, Zürich; Aufzüge: AS Aufzüge AG, Steinach; Gipserarbeiten: Kradolfer GmbH, Weinfelden; Trockenbauarbeiten: Russo AG, Kleinandelfingen; Allgemeine Metallbauarbeiten: Friess AG Metallbau, Münchwilen; Innentüren: zomo-form AG, Au; Allgemeine Schreinerarbeiten: Raumwerke AG, Felben-Wellhausen; Elementwände: Büwa AG, Bichwil; Fugenlose Bodenbeläge: Repoxit AG, Effretikon; Bodenbeläge aus Holz: Albin Bardellini AG, Frauenfeld; Wandbeläge aus Platten: Stutz Bauunternehmung AG, Frauenfeld

Allgemein

Das Gebäude «Geschäftshaus FALCO» an der Waldeggstrasse 8a in 8501 Frauenfeld befindet sich im Eigentum des Staates Thurgau und wird von der «thurmed Immobilien AG» genutzt. Im Rahmen des geplanten Umbaus des ehemaligen Schulgebäudes zu einem Bürogebäude soll der Bedarf an zusätzlichen Arbeitsplätzen auf dem Areal des Kantonsspitals Frauenfeld (KSF) sichergestellt werden. Das Geschäftshaus wurde um 1973 in Massivbauweise mit Sichtbetonfassade erstellt. Es umfasst insgesamt drei Geschosse: ein Unter- beziehungsweise Gartengeschoss, ein Erdgeschoss sowie ein Obergeschoss. In den Räumlichkeiten sind geschossübergreifend Büroflächen inklusive Sitzungs-, Fokus- und Besprechungszimmern sowie zwei grössere Sitzungszimmer im Gartengeschoss und alle dazugehörigen Nebenräume vorgesehen. Es wird ein neuer Lift unter Berücksichtigung der Norm SIA 500 eingeplant.

Energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle

Ersatz der bestehenden Fenstergläser, Erstellung neuer Fenster in den Bereichen der Abgrabungen im Gartengeschoss, teilweise neuer Dachaufbau mit Wärmedämmung inklusive Ersatz der bestehenden Oberlichter, innenliegende Wärmedämmung bei den vertikalen opaken Bauteilen, Ausbau der bestehenden Unterkellerungen im Gartengeschoss inklusive neuem Bodenaufbau mit Wärmedämmung sowie Massnahmen für eine spätere Aufstockung.

Statische Massnahmen

Ertüchtigung des Gebäudes zur Erfüllung der normativen Vorgaben hinsichtlich der Erdbebensicherheit.

Gartengeschoss (UG)

Ausbau der heutigen Unterkellerung zu Büroflächen mit Fokus- und Druckerräumen sowie Notausgang, Anpassung der Topografie, der Nordfassade und des Innenhofs zur Belichtung der Räumlichkeiten, Rückbau der bestehenden Anlieferungsrampe, ein grosses Sitzungszimmer inklusive Notausgang über eine Fluchttreppe, ein kleines Sitzungszimmer, Allgemeinzone mit Teeküche, Nasszellen für Mitarbeitende inklusive IV-WC und abschliessbaren Einzelduschen sowie Technikraum für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro.

Erdgeschoss

Büroflächen inklusive Sitzungszimmern, Allgemeinzone mit Teeküche und Nasszellen, Fokuszonen, Lagerraum für PET, Aluminium und Kehricht sowie Garderoben mit Postfächern.

Obergeschoss

Büroflächen inklusive Sitzungszimmern und Besprechungszonen, Allgemeinzone mit Nasszellen und Fokusraum sowie Lagerraum und Laborflächen.

Dachfläche

PV-Anlage, Seilsicherungsanlage, Kältemaschine mit Einfassung und teilweiser Ersatz der bestehenden Oberlichter.

Nachhaltigkeit

Der heutige Gebäudesektor ist mit einem hohen Ressourcenverbrauch verbunden – und dies in allen Nutzungsphasen, von der Errichtung über den Betrieb bis zum Rückbau. Daher stellt das ganzheitlich klimaneutrale Gebäude eine unabdingbare Neuausrichtung im Umfeld begrenzter finanzieller, materieller und natürlicher Ressourcen hin zu einem dekarbonisierten Bausektor dar. Der vorliegende Umbau «Geschäftshaus FALCO» zeigt dazu folgende Lösungsansätze auf:

Ressourcensparendes Bauen

Unter Verwendung von rezyklierten, nachwachsenden und natürlichen Materialien kann ressourcensparend gebaut werden. Beispiele hierfür sind:

– Lehmbauplatten und Lehmputz an den Innenwänden und der Innenseite der Aussenwände: Die für die mechanische Festigkeit der Platten notwendige Bindungskraft besitzt Lehm von Natur aus; sie muss nicht durch energie- und CO₂-intensive Brennprozesse erzeugt werden. Baulehm wird regional gewonnen, wodurch weite Transportwege zum Werk entfallen. Der Rohstoff ist aus heutiger Sicht nahezu unbegrenzt verfügbar, und sein Abbau ist mit vergleichsweise geringen Eingriffen in Umwelt und Natur verbunden.

– Holzelemente für die inneren Verglasungen und den inneren Fassadenaufbau: Als natürlicher, nachwachsender Rohstoff ist Holz heimisch verfügbar und bindet während seiner Lebenszeit CO₂ aus der Atmosphäre.

– Akustikelemente aus Schafwolle: Rund 350 Tonnen Schafwolle fallen jedes Jahr in der Schweiz als «Abfallprodukt» an. Diese werden gesammelt, regional verarbeitet und ohne Zusatzstoffe zu Akustikplatten gefertigt.

Das spezifisch reagierende Materialkonzept mit einer reduzierten Materialvielfalt und den aufgezeigten passiven raumklimatischen Eigenschaften berücksichtigt neben der Langlebigkeit auch die Wartungs- und Reinigungsfreundlichkeit, den Brandschutz sowie den Bedarf an grauer Energie.

Lufthygiene

Bedingt durch ihre natürliche Beschaffenheit geben die genannten Baumaterialien keine Schadstoffe wie Formaldehyd oder Ähnliches an den Raum ab und tragen somit massgeblich zu einem gesunden Raumklima bei. Schafwolle beispielsweise reguliert die Luftfeuchtigkeit im Raum, baut Schadstoffe ab, neutralisiert Gerüche, wirkt antibakteriell und ist selbstreinigend. Lehm ist zudem imstande, Raumgerüche zu absorbieren.

Zirkuläres Bauen

Die im Bestand bereits eingebauten Bauteile werden für den Umbau weitestgehend wiederverwendet. Beispiele hierfür sind die gesamte Betonstruktur, die bestehenden Fensterrahmen sowie der funktionsfähige Dachaufbau, welcher zur Erreichung eines besseren Dämmwerts lediglich zusätzlich überdämmt wird.

Sortenreines Bauen

Neben dem Einsatz natürlicher Materialien wurde darauf geachtet, dass bei den mehrschichtigen Aufbauten keine Klebstoffe zum Einsatz kommen. Dadurch können die Baumaterialien nach Ablauf ihrer Lebensdauer sortenrein wiederverwendet werden, anstatt als Abfall verbrannt werden zu müssen. Gleichzeitig wird die Raumluft nicht unnötig durch schadstoffhaltige Zusatzstoffe belastet. Ein Beispiel hierfür sind die Lehmbauplatten, welche fassadenseitig auf eine Holzständerkonstruktion geschraubt werden.

Aktivierung der Speichermasse und Temperaturkonstanz

Gebäude mit einer hohen Masse verhalten sich thermisch träge. Die thermischen und hygrischen Massen der raumseitig offen liegenden und offenporigen Lehmplatten unterstützen mit baulichen Mitteln die passive Raumkonditionierung – das heisst ohne oder mit wenig Haustechnik – hinsichtlich der Feuchte- und Temperaturkonstanz. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum sommerlichen Wärmeschutz. Durch die Offenlegung der Decken trägt die bestehende Betonstruktur zusätzlich zu einer hohen Speichermasse und der damit verbundenen Klimakonstanz bei. In der Sommernacht gelangt kühlere Nachtluft in den Raum und kühlt Decken und Wände wieder ab, indem sie die Wärme nach aussen transportiert. Die Speichermasse kann am darauffolgenden Tag erneut Wärme aufnehmen.

Lebenszyklusbetrachtung und Wertigkeit

Da Innenausbauten die kürzeste Lebensdauer aller Gebäudeschichten aufweisen, kommt ihnen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit eine besondere Rolle zu. Neben der Wahl recyclingfähiger Baumaterialien müssen auch deren Wertigkeit und Lebensdauer berücksichtigt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass ein kosteneffizienter Teppich innerhalb eines Betrachtungshorizonts von 50 Jahren bis zu fünfmal ausgetauscht werden muss, während bei einem Parkett lediglich ein vollständiger Ersatz erforderlich ist. Dadurch bietet Parkett sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht grosse Vorteile.